# 2. Modellrechnung zur Strategiefindung

Der wesentliche Grund, weshalb die große Gefahr, die durch COVID-19 ausgeht, bis vor kurzem nicht  
gesehen wurde, ist die Schwierigkeit, exponentielles Wachstum intuitiv zu verstehen. Eine Modellie-  
rung soll helfen, die Dynamik von COVID-19 zu verstehen. Hierzu müssen wir unter anderem die  
Ausbreitungsgeschwindigkeit und die Sterblichkeitsrate des Virus kennen. Seit Anfang des Ausbruchs  
in Wuhan (VR China) wurde die Sterblichkeitsrate des Virus immer wieder heruntergespielt mit dem  
Hinweis auf eine mögliche "Dunkelziffer". Asymptomatische und milde Fälle seien kaum getestet  
worden und würden daher die tatsächliche Sterblichkeitsrate noch verringern, wenn man diese un-  
bekannten Fälle mit einberechnen würde. Dieses und andere Argumente haben lange zu einer Unter-  
schätzung der Gefahr, die von dem Virus ausgeht, geführt. Erst die dramatische Lage in Italien hat  
teilweise zu einem Umdenken geführt, obwohl leider alle Indikatoren darauf hindeuten, dass dort  
der Höhepunkt der Neuansteckungen noch längst nicht erreicht ist. Falls nicht erfolgreiche Maßnah-  
men zum Eindämmen ergriffen werden, wird sich dort selbst in den jetzt schon am schwersten ge-  
troffenen Regionen die Lage voraussichtlich noch um mehr als eine Zehnerpotenz in Bezug auf die  
Anzahl Fälle und die Todesfälle verschlimmern.  
Die Abschätzung der Sterblichkeitsrate kann am besten mit den Daten aus Südkorea geschehen. Dort  
wurden mit minimalen Ausgangsbeschränkungen, vor allem durch effizientes Testen und Isolieren,  
die verschiedenen Ausbrüche erfolgreich unter Kontrolle gebracht. Bei einer erheblichen Dunkelziffer  
von nicht gefundenen Fällen wäre dies nicht möglich gewesen. Es erging nie ein Aufruf zur Selbstiso-  
lierung bei milden Symptomen, der in der Grippesaison und bei einem Virus, das sehr lange anste-  
ckend ist, auch nicht viel gebracht hätte. Auch wurden dort durch die systematische Kontaktsuche  
sehr viele Personen getestet, die überhaupt keine Symptome hatten. Daher ist in Südkorea mit einer  
sehr kleinen Dunkelziffer zu rechnen. Die Fallsterblichkeitsraten pro Altersgruppe können daher als  
gute Referenz betrachtet werden, die noch leicht hinaufzusetzen sind, da noch regelmäßig Todesfälle  
gemeldet werden, obwohl wenige neue Fälle hinzukommen. Diese Zahlen sind außerdem mit den  
Zahlen aus China außerhalb Hubei kohärent, wo noch viel intensiver getestet wurde. Für die Vertei-  
lung der Fälle auf die verschiedenen Altersgruppen und die Alterspyramide in Südkorea erhält man  
eine mittlere Fallsterblichkeitsrate von momentan 1,1%. Angepasst an die Altersstruktur für Eu-  
ropa erhält man eine mittlere Fallsterblichkeitsrate von 1,8% bei bester Krankenhausversorgung.  
Die Daten aus Südkorea sollten daher als Mindestwerte für die endgültige Fallsterblichkeitsrate ange-  
sehen werden, wenn ein Ausbruch abgeklungen und alle Infizierten geheilt oder tot sind. Während  
der exponentiellen Ausbreitung kann man von einer vorläufigen (englisch: naive) Fallsterblichkeits-  
rate von circa 1% ausgehen. Das RKI geht in einem sehr moderaten Szenario derzeit von einer Letali-  
tät von 0,56% aus.1 In der weiteren Modellierung wird mit einer Fallsterblichkeit von 1,2% gearbeitet.  
Wir gehen davon aus, dass 5% der infizierten Personen hospitalisiert werden müssen und davon wie-  
derum 30% eine intensivmedizinische Betreuung und weitere 20% mindestens eine Beatmung mit-  
tels entsprechenden Gerätschaften benötigen. Das RKI geht von einer Hospitalisierungsrate von 4,5%  
aus, wovon 25% intensivpflichtig werden.2 Darüber hinaus nehmen wir an, dass die Verweildauer auf  
der Intensivstation bei zehn Tagen liegt, wenn die Patienten so schnell wie möglich verlegt werden,  
um diese extrem knappe Ressource für die nächsten Patienten nutzen zu können. Für die Beatmung  
an einem Beatmungsgerät setzen wir neun Tage an und für Patienten, die einen Krankenhausaufen-  
thalt ohne solche Unterstützungen benötigen, acht Tage. Die Mortalitätsraten werden je nach Be-

1 https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges\_Coronavirus/Modellierung\_Deutschland.html  
2 ebd

handlungsart differenziert. Bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten beträgt sie bei guter Kranken-  
hausversorgung im Modell 1,2% und bei Rationierung wegen nicht ausreichender Krankenhausver-  
sorgung 2,0% – jeweils bezogen auf die Grundgesamtheit aller Infizierter.  
Was die Kapazitäten der Krankenhausversorgung angeht, gehen wir davon aus, dass derzeit 14.000  
Intensivbetten für mit COVID-19 infizierte Menschen zur Verfügung stehen. Weitere 14.000 stehen  
für Patienten mit anderen Krankheiten bereit. Diese könnten jedoch eventuell nicht ausreichen, um  
Notfälle (z.B. Herzinfarkte, Schlaganfälle, etc.) ausreichend zu versorgen. Ferner nehmen wir an, dass  
18.000 Beatmungsgeräte für mit COVID-19 infizierte Menschen vorhanden sind und fast 300.000 Bet-  
ten in Krankenhäusern und Reha-Kliniken. Außerdem unterstellen wir, dass es gelingt, diese Zahlen in  
den nächsten Wochen sukzessive zu erhöhen – auf dann 24.000 „freie“ Intensivbetten, 28.000  
Beatmungsgeräte und zusätzlich 60.000 Betten in Hotels und Messehallen.  
Hinsichtlich der Ausbreitungsgeschwindigkeit scheint sich in Deutschland derzeit die Zahl der ge-  
meldeten infizierten Fälle etwa alle drei Tage zu verdoppeln. Erste Maßnahmen zur Reduktion physis-  
cher Kontakte, wie zum Beispiel das Verbot von großen Veranstaltungen und die Minimierung der  
Reisetätigkeit, sollten dazu führen, die Zeitspanne bis zur Verdopplung der Zahl Infizierter zu  
verlängern. Im Worst Case Szenario gehen wir davon aus, dass sich die Verdopplungszeit bis zum 14.  
April von drei auf dann sechs Tage erhöht – und bis Ende April auf neun Tage. Unter diesen Worst  
Case Annahmen wird die Zahl der Infizierten trotzdem rasant zunehmen und schon relativ bald 70%  
der Bevölkerung ausmachen. Es ist daher mit einer massiven Überlastung des Gesundheitssystems zu  
rechnen (Abbildung 1). Über 80% der intensivpflichtigen Patienten müssten von den Krankenhäusern  
mangels Kapazitäten abgewiesen werden. Dabei ist berücksichtigt, dass in der nächsten Zeit zusät-  
zliche Intensivbetten und Beatmungsgeräte zur Verfügung gestellt werden. Die Phase der Rationie-  
rung könnte zwei Monate andauern. In diesem Szenario wäre mit mehr als einer Million Todesfällen  
zu rechnen.

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