Quetzalcouatls

Quetzalcouatls Geburt

Quetzalcouatls Geburt
Im Jahre ‚Eins Rohr‘ wurde – so heißt es Quetzalcouatl geboren den man ‚Unseren Fürsten den Priester Eins Rohr‘ nennt. Man sagt seine Mutter sei eine Frau namens Chimalman ‚Liegender Schild‘ gewesen.
‚Wolkenschlange‘ hatte das weiße Steinmeßer das Abbild der Göttin ‚Obsidianschmetterling‘ zu seinem Gott gemacht und trug es in einem Bündel auf seinem Rücken mit sich herum. Er zog nach dem Lande Comallan um Eroberungen zu machen. Als die Leute von Comallan davon erfuhren gingen sie ‚Wolkenschlange‘ entgegen legten Speise für ihn hin und besänftigten ihn. Danach zog er nach Teeamman. Die Einwohner besänftigten ihn ebenfalls und sprachen: ‚Was macht der Herr? Er möge kommen und seine Stachelpflanze entgegennehmen Danach eroberte ‚Wolkenschlange‘ Colhuacan.
Nachdem er Colhuacan besiegt hatte ging er weiter nach Ueuetocan und Pochtlan. Auch dort war er siegreich. Nun zog er nach Uitznauac um dort auch Eroberungen zu machen. Da begegnete er Chimalman.
Chimalman legte ihren Schild auf den Boden danach Speer und Wurfbrett. Ganz nackt stand sie da ohne Hüftrock und Hemd. Und als ‚Wolkenschlange‘ sie gesehen hatte schoß er seine Pfeile nach ihr. Der erste Pfeil den er schoß ging über ihren Kopf hinweg; sie bückte sich nur. Als er zum zweiten Male nach ihr schoß ging der Pfeil an ihrer Seite vorbei denn sie bog sich zur Seite. Als er zum dritten Male schoß fing sie den Pfeil mit der Hand auf und als er das vierte Mal schoß ließ sie den Pfeil zwischen ihren Beinen hindurchgehen. Nachdem ‚Wolkenschlange‘ viermal vergeblich nach ihr geschoßen hatte kehrte er um und zog von dannen.
Chimalman floh und ließ sich in einer Höhle nieder die in einer Schlucht lag. Noch einmal rüstete sich ‚Wolkenschlange‘ sie zu töten; noch einmal ging er auf die Suche nach ihr. Als er sie nicht fand mißhandelte er die Weiber der Uitznaua. Da sagten die Weiber der Uitznaua:
‚Laßt uns hingehen sie zu holen!‘
Und sie gingen zu Chimalman und sprachen zu ihr:
‚ Wolkenschlange sucht dich; deinetwegen mißhandelt er deine Schwestern.‘
Da ging Chimalman nach Uitznauac.
Wiederum zog ‚Wolkenschlange‘ aus und diesmal begegnete er ihr. Sie hatte nur die Schambinde um wie früher und legte ebenso – wie damals – Schild und Speer nieder. Der erste Pfeil ging wieder über ihren Kopf hinweg der zweite an ihrer Seite vorbei den dritten fing sie mit der Hand auf und der vierte flog zwischen ihren Beinen hindurch. Da ergriff er sie und legte sich zu ihr nieder. Chimalman wurde schwanger.
Ehe ihr Kind geboren wurde quälte es seine Mutter vier Tage lang sehr; dann kam Quetzalcouatl zur Welt. Bei seiner Geburt starb seine Mutter.

Quetzalcouatls Wirken

Quetzalcouatls Wirken
Im Jahre ‚Zwei Rohr‘ baute sich unser Herr ‚Eins Rohr‘ seine Fastenhäuser Kultstätten und Bethäuser. Vier solcher Häuser baute er sich: ein mit Türkismosaik belegtes Balkenhaus ein Haus aus roter Muschelschale eines aus weißer Muschelschale und eines aus Quetzalfedern. In ihnen betete er diente Gott und brachte seine Zeit mit Fasten zu.
Mitten in der Nacht stieg er zum Waßer hinab um an der Stelle zu baden die man ‚Waßerpalast am Ort des Zinns‘ nannte. Seine Agaveblattspitzen legte er auf den Bergen Xicocotl Uitzco Tzincoc und Nonoualcatepetl nieder. Statt der Agaveblattspitzen dienten ihm grüne Edelsteine zur Kasteiung statt Fichtenzweigen Quetzalfedern bei der Darbringung und er räucherte mit echten Türkisen grünen Edelsteinen und roter Muschelschale. Die lebenden Opfer die er darbrachte waren Schlangen Vögel und Schmetterlinge.
Man berichtet daß er die im Innern des Himmels Thronenden als seine Götter verehrte und anrief – die Göttin ‚Sternenrock‘ und den Gott ‚Sternensonne‘ die ‚Herrin unseres Fleisches‘ und den ‚Herrn unseres Fleisches‘ den ‚Kohlschwarzen‘ und den ‚Blutroten‘ den der die Erde gegründet hat‘ und den ‚der sich über der Erde als Flocke erhebt‘. Er schrie hinauf zum ‚Ort der Zweiheit‘ – so hörten die Alten – dem über dem neunfach verkettet liegenden obersten Himmel. Nur die Götter die dort wohnen rief er an; nur zu ihnen betete er in tiefster Demut und Zerknirschung.
Zu seiner Zeit erst kamen durch ihn große Reichtümer zu den Menschen: grüne Edelsteine und echte Türkise Gold und Silber rote und weiße Muschelschalen Federn der Quetzalvögel und Kotingas der roten Löffelreiher und gelben Trupiale Tzinitzcan und Ayoquan. Er brachte den Menschen auch die vielerlei Arten Kakao und Baumwolle. Ferner war er ein großer Künstler in allen seinen Werken: seinen Eß- und Trinkgefäßen seinen blau grün weiß gelb und rot bemalten Tongefällen und vielem anderen.
Er begann auch einen Tempel für sich zu bauen und errichtete für ihn die Schlangenpfeiler; aber er vollendete ihn nicht und kam nicht damit zum Ziel. Solange er lebte zeigte er sich nicht vor seinen Untertanen. An einem schwer zugänglichen Orte im Innern des Palastes lebte er streng bewacht. Seine Herolde hüteten ihn indem sie ihn mit vielen Mauern umgaben; und so viele Mauern ihn umgaben so viele Scharen von Herolden waren da. Er selbst saß auf einer Matte aus grünen Edelsteinen Quetzalfedern und Gold.
Man sagt daß oft böse Dämonen versuchten ihr Spiel mit Quetzalcouatl zu treiben. Sie drangen in ihn er möge Menschen opfern aber Quetzaleouatl blieb standhaft:
‚Es soll nicht soweit kommen!‘
Denn er liebte seine Untertanen die Tolteken zu sehr als daß er welche von ihnen opfern wollte. Er opferte andere Lebewesen: Schlangen Vögel und Schmetterlinge. Dadurch versetzte er die Dämonen in Zorn so daß sie begannen ihm üble Streiche zu spielen und sie sagten sie wollten ihn arm und elend machen und ihn aus dem Lande treiben wie es dann später auch wirklich geschah.

Quetzalcouatl und Tezcatlipoca

Quetzalcouatl und Tezcatlipoca (Teil I – Teil II)
Als einst Quetzalcouatl und die Tolteken in der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten läßig geworden waren kamen drei Dämonen um ihnen Unheil zu verkünden. Sie taten durch Zeichen und Wunder kund daß Tollan untergehen werde.
Einer der Dämonen war Tezcatlipoca. Man sagt er habe sich in ein altes Männchen verwandelt eines tiefgebeugten weißhaarigen Männleins Gestalt angenommen. So ging er zum Hause Quetzalcouatls. Dort sprach er zu den Dienern:
‚Ich will den Herrn Quetzalcouatl sehen.‘
Da antworteten die Diener ihm:
‚Hebe dich fort Alterchen der Herr ist krank du wirst ihn belästigen.‘
Der Alte aber sagte:
‚Ich muß ihn auf alle Fälle sehen ich muß zu ihm.‘
Und sie sprachen zu ihm:
‚Es ist gut warte! Wir werden dich mit ihm sprechen laßen.‘
Darauf benachrichtigten sie Quetzalcouatl und sagten:
‚Unser Fürst da ist ein altes Männlein gekommen das dich sehen will. Es sieht so aus als sei es eine Falle für dich. Wir haben ihn hinausgeworfen aber er will nicht gehen. Er sagt er wolle den Herrn sehen.‘
Da sprach Quetzalcouatl:
‚Er möge hereinkommen denn ich erwarte ihn schon seit mehreren Tagen.‘
Darauf ließen sie das alte Männlein bei Quetzalcouatl eintreten. Er begrüßte ihn und sprach zu ihm:
‚O Herr! Mein Enkel wie befindest du dich? Hier ist eine Medizin die ich dir mitgebracht habe. Trinke sie.‘
Und Quetzalcouatl erwiderte:
‚Tritt herzu Alter. Es hat dich Mühe gekostet zu mir zu kommen. Schon seit mehreren Tagen erwarte ich dich.‘
Wieder fragte der Alte:
‚Mein Enkel wie befindest du dich?‘
Quetzalcouatl antwortete:
‚Ich bin überall sehr krank; meine Hände meine Füße taugen nirgends mehr etwas mein Leib ist ganz abgestorben kraftlos und wie aus den Fugen gegangen.‘
Da sprach der Alte zu ihm:
‚Hier ist eine Medizin. Sie ist sehr gut und lind und sie berauscht. Wenn du sie trinkst wird sie dich trunken machen und deinen Leib heilen und du wirst weinen dich verwaist fühlen an deinen Tod denken und daran wohin du dereinst gehen sollst.‘
Quetzalcouatl fragte:
‚Wohin soll ich gehen Alter?‘
Darauf sagte der Alte:
‚Du sollst nach Tollan Tlapallan gehen. Ein Mann ist dort der Hüter ein alter Mann; ihr werdet miteinander beraten und wenn du zurückkehren wirst wirst du wieder ein kleines Kind werden.‘
Und der Alte drang von neuem in ihn:
‚Auf trinke die Medizin hier!‘
Quetzalcouatl sagte:
‚Nein Alter; ich werde daran sterben.‘
Aber der Alte sagte:
‚Trink nur es wird dich schon danach gelüsten. Oder meinetwegen stelle den Trank auch nur vor dich hin; deine Seele wird danach lechzen. Koste ihn nur ein wenig.‘
Quetzalcouatl kostete ein wenig; danach trank er ordentlich und sprach
‚Was ist das? Es ist sehr gut es vernichtet meine Krankheit – wo ist sie geblieben? Ich bin nicht mehr krankt‘
Und der Alte sprach zu ihm:
‚Trinke noch einmal die Medizin ist sehr gut dein Leib wird davon stark werden.‘
Darauf trank Quetzalcouatl noch einmal und wurde trunken. Er begann zu weinen und tiefe Niedergeschlagenheit ergriff ihn. Nun erst machte er sich mit dem Gedanken vertraut fortzugehen; seine Entschlußkraft wurde gebrochen und er vergaß diesen Gedanken nie mehr.
Das war ein Werk der Sinneßtörung die der Dämon bewirkt hatte. Die Medizin aber die er ihm gegeben hatte war – wie berichtet wird – der weiße Wein der aus dem süßen Saft der echten Agave bereitet wird.

Quetzalcouatls Weggang

Quetzalcouatls Weggang (Teil I – Teil IV)
Man sagt daß eine weiße Weihe von einem Speer durchbohrt über den Tolteken dahinflog; da sie nicht fern von ihnen über der Erde schwebte konnten sie sehen wie sie durch die Luft flog. Es heißt weiter daß ein Berg der ‚Grasberg‘ brannte. Bei Nacht sah man von ferne wie er brannte; denn die Flamme leuchtete weithin.
Als die Tolteken das sahen wurden sie unruhig. Sie redeten die Arme zum Himmel empor und allgemeines Geschrei erhob sich; es gab keine Ruhe kein friedliches Leben mehr. Und da sie sahen daß sich hier unheimliche unheilverkündende Dinge begaben sprachen sie:
‚Tolteken! Jetzt ist es aus mit uns jetzt gehen wir dahin! Dahin sind Glanz und Macht der Tolteken! Durch unsere Läßigkeit haben wir das Unheil über uns kommen laßen. Was hilft’s? Wohin in aller Welt sollen wir gehen? Oh wir Unglücklichen! Laßt uns alle unseren Mut zusammennehmen!‘
Man erzählt weiter daß ein Steinregen über die Tolteken niederging; nachdem es Steine geregnet hatte kam vom Himmel ein großer Opferstein herab. An einem Ort hinter Chapultepec fiel er nieder. Da verkaufte eine alte Frau die dort wohnte Opferfahnen. Sie sprach:
‚Nehmt sie hin das sind eure Fahnen.‘ Und die die sterben wollten sagten:
‚Kauft mir eine.‘ Dann gingen sie dahin wo der Opferstein sich befand und ließen sich opfern.
Da war niemand der fragte:
‚Was tun wir eigentlich?‘ Es war als ob sie alle den Verstand verloren hätten. Der Mais soll damals bitter geworden sein so daß die Tolteken ihn nicht mehr in den Mund nehmen geschweige denn eßen konnten. Und eine alte Frau – es heißt es sei der Dämon gewesen der nun die Gestalt einer alten Frau angenommen hatte – ließ sich im Blumenfeld nieder und röstete den Mais. Und der Mais den sie röstete stank über die ganze Welt über alle Menschen: der üble Geruch legte sich auf die ganze Erde.
Als aber die Tolteken den gerösteten Mais rochen dünkte sie der Geruch sehr gut und sie kamen eilends auf kürzesten Wegen herbei – es heißt Ja daß sich die Tolteken aus Entfernungen nichts machten. Als viele beisammen waren tötete der Dämon sie allesamt; keiner sah die Heimat wieder. Fürwahr ein arges Spiel trieb der Dämon mit den Tolteken!
Noch viele andere unheimliche und schreckliche Dinge begegneten den Tolteken so daß Tollan ganz und gar zugrunde ging. Und Quetzalcouatl der darüber höchst beunruhigt und bekümmert war faßte den Entschluß seine Stadt Tollan zu verlaßen.
Er machte sich bereit. Es heißt daß er sein goldenes und rotes Muschelhaus verbrannte; den übrigen Toltekenschatz die Kostbarkeiten vergrub und verbarg er an schwer zugänglichen Orten im Innern der Berge oder in Felßchluchten. Die Kakaobäume verwandelte er in Dornakazien und was es von Schmuckvögeln gab von roten Löffelreihern sandte er voraus; sie flogen vor ihm her nach dem Küstenland.
Als alles soweit war brach er auf. Er wanderte und kam an einen Ort Quauhtitlan wo ein sehr dicker und hoher Baum stand neben den er trat. Darauf besah er sich im Spiegel und sprach:
‚Ich bin alt.‘ Und er nannte den Ort Alt-Quauhtitlan. Dann bewarf er den Baum mit Steinen und die Steine drangen in die Rinde ein sie blieben darin haften. Das kann man noch heute an dem Baum sehen; unten fängt es an und reicht bis zum Wipfel.
Während er weiterwanderte bliesen seine Begleiter die Flöten für ihn. Als er einmal an einem Platze ausruhte setzte er sich auf einen Stein und stützte dabei seine Hände auf. Dann blickte er gen Tollan und weinte und schluchzte; Hagelschauern gleich strömten seine Tränen über sein Gesicht rannen sie und wo sie hinabtropften durchlöcherten sie den Stein. Und als er sich mit den Händen auf den Stein stützte drang seine Handfläche in diesen ein wie wenn er Töpferton sei. Auch sein Gesäß drückte sich wo es auf dem Stein ruhte in ihn ein. Das kann man noch heute an den Vertiefungen sehen; darum nannte er den Platz Temacpaleo ‚wo sich der Handabdruck im Felsen befindet‘.
Danach brach er auf und kam nach dem Ort den man Tepanouayan nennt. Ein Waßer ist dort das sehr breit ist. Er legte einen Stein hin machte eine Brücke und ging auf dieser über den Fluß; danach nannte er den Ort Tepanouayan ‚wo man auf einer Steinbrücke über das Waßer geht‘.
Und wieder brach er auf und gelangte an eine Stätte die man Cozcaapan nennt. Dort wollten ihn die Dämonen zur Umkehr bewegen und am Weiterwandern hindern. Sie sprachen zu ihm:
‚Wohin gehst du? Warum hast du deine Stadt verlaßen? Wer soll dort jetzt dem Gotte dienen?‘
Da erwiderte Quetzalcouatl:
‚Es kann nicht anders sein; ich ziehe auf jeden Fall von dannen.‘
Und die Dämonen fragten ihn:
‚Wohin wirst du gehen?‘
Quetzalcouatl erwiderte:
‚Nach Tlapallan um dort mein Schicksal zu erfahren.‘
Sie fragten ihn weiter:
‚Was wirst du dort tun?‘
Quetzalcouatl antwortete:
‚Ich bin dorthin gerufen worden; die Sonne rief mich.‘
Da sprachen die Dämonen zu ihm:
‚Es ist gut; aber laß doch wenigstens die toltekische Kunst zurück.‘ Quetzalcouatl gab die ganze toltekische Kunst preis: die Goldschmiedekunst die Edelsteinschleiferei die Holzschnitzerei die Steinmetzkunst die Malerei die Anfertigung von Federschmuck. Alles ließen sie ihn auf den Boden werfen alles nahmen sie ihm fort. Darauf warf Quetzalcouatl alle seine Geschmeide ins Waßer und sie wurden vom Waßer fortgeschwemmt. Darum nannte er den Ort Cozeaapan ‚am Fluß des Geschmeides‘.
Quetzalcouatl zog weiter und kam an einen Ort der Cochtocan genannt wird. Dort begegnete ihm ein Dämon und fragte ihn:
‚Wohin des Weges?‘
Quetzaleouatl antwortete:
‚Nach Tlapallan um dort mein Schicksal zu erfahren.‘
Und der Dämon sprach:
‚Gut. Trinke hier den Wein den ich mitgebracht habe.‘
Quetzalcouatl entgegnete:
‚Das ist nicht möglich. Ich darf ihn nicht einmal kosten.‘
Der Dämon drang in ihn:
‚Das darf nicht sein daß du ihn weder trinkst noch davon kosten willst. Denn ich laße niemand von mir gehen dem ich nicht Wein vorsetze den ich nicht trinken laße den ich nicht trunken mache. Also hier ist er vorwärts trink!‘
Da trank Quetzalcouatl den Wein mit einem Saugrohr und als er ihn getrunken fiel er auf dem Wege in Schlaf. Er schnarchte so laut daß man es weithin hörte. Und als er aufgewacht war blickte er nach der einen und der anderen Seite besah sich und glättete sein Haar. Danach nannte er den Ort Cochtocan ‚wo man im Schlafe daliegt‘.
Quetzalcouatl brach auf und erstieg die Paßhöhe zwischen dem Popocatepetl und dem Iztactepetl und es fiel Schnee über die die er bei sich hatte die Zwerge und Buckligen seine Haußklaven; sie starben daselbst vor Kälte. Quetzalcouatl sprach sich Mut zu; er weinte sang und seufzte. Und in der Ferne erblickte er nun bereits den anderen Schneeberg den Poyauhtecatl.
Wiederum brach er auf zog durch alle Lande und berührte alle Städte und man sagt daß er viele Zeichen als Andenken hinterließ. An einer Stelle soll er sich damit belustigt haben daß er einen Berghang querte und so auf den Boden herunterkam von wo er wieder auf einer Strickleiter aus Agavefasern hinaufstieg. An einer anderen Stelle legte er einen Ballspielplatz ganz aus Steinen an. Die Linie die sich in der Mitte des Platzes befindet war in den Boden gegraben und reichte tief hinab. An einer anderen Stelle schoß er einen Pfeil in eine Ceiba und der Pfeil den er schoß war ebenfalls eine Ceiba; er drang von Seite zu Seite hindurch.
An einer anderen Stelle baute Quetzalcouatl ein Haus in der Erde an einer Stätte die man Mictlan nennt. Noch viele andere Dinge tat er allerorten. Man sagt daß er auch allen Bergen Namen gab überhaupt hier auf Erden allen Dingen erst die Namen verlieh. Und nachdem er dann an das Ufer des Meeres gekommen war baute er ein Schlangenfloß. Als es fertig geworden war setzte er sich darauf und es diente ihm als Schiff. So fuhr er von dannen und wurde auf dem Waßer entrückt. Niemand weilt wie er nach Tlapallan gelangte.
Andere sagen daß Quetzalcouatl im Jahre ‚Eins Rohr‘ am Ufer des Himmelswaßers anlangte weinte seinen ganzen Schmuck ablegte und sich danach selbst verbrannte. Und man sagt daß seine Asche emporstieg nachdem er sich verbrannt hatte und daß dann alle möglichen Vögel mit kostbarem Gefieder erschienen die man in die Höhe zum Himmel fliegen sah: Löffelreiher und Kotingas Tzinitzcan und Ayoquan Papageien Araras und Loros und alle sonstigen Arten von Schmuckvögeln. Nachdem die Asche ganz verflogen war stieg das Herz Quetzalcouatls vor aller Augen empor. Es ging zum Himmel und in den Himmel ein.
Die Alten erzählen das Herz Quetzalcouatls habe sich in einen Stern verwandelt der in der Morgendämmerung erscheint und zum erstenmal sichtbar wurde als Quetzalcouatl starb. Man nannte ihn nunmehr den ‚Herrn der Dämmerung‘. Nachdem Quetzalcouatl gestorben war war er zuerst vier Tage lang unsichtbar; es heißt daß er damals in der Unterwelt weilte. Weitere vier Tage lang war er Knochen; erst nach acht Tagen erschien der große Stern den man Quetzalcouatl nennt. Und man sagt daß dann erst Quetzalcouatl zum Gott wurde.
Bevor Quetzalcouatl auf seinem Weggang ans Meer kam soll er zwanzig Jahre in Cholula gelebt haben und beim Verlaßen dieser Stadt vier vornehme tugendhafte Jünglinge mit sich genommen haben.
Als er mit ihnen in die Provinz Coatzacoalco kam sandte er sie wieder zurück und trug ihnen neben etlichen guten Lehren die er ihnen gab auf den Bewohnern von Cholula zu verkünden daß in zukünftigen Zeiten über das Meer aus dem Osten weiße Männer kommen würden mit langen Bärten gleich ihm selbst. Diese würden Herren der Länder von Mexiko werden.