# Indras Kampf mit Writra

# Indras Kampf mit Writra

**Indras Kampf mit Writra (Teil I – Teil IV)**  
  
Ursprung und Sitz des Regens ist der höchste Himmel.  
  
Dort wohnt Waruna der Gott dem es obliegt dafür zu sorgen daß die kosmischen Gesetze beachtet werden. Er wacht darüber daß das Morgenrot erscheint und daß die Sonne auf- und untergeht; er sorgt dafür daß die Regenfluten zur bestimmten Zeit auf die Erde herabstürzen:  
  
Sie lieh Waruna der Beschirmer strömen;  
nach Warunas Gebot fließen die Wasser  
sie werden nicht müde sie rasten nicht;  
wie die Vögel in der Luft  
kommen sie schnell geflogen.  
  
So suchen sich die Regenfluten ihren Weg zur Erde aber sie gelangen nicht dahin. Auf ihrer Bahn durch den weiten Himmelsraum werden sie von den Luftdämonen überfallen und in die Wolken eingesperrt wie Rinder in Bergeshöhlen.  
Zahlreich sind die Dämonen der Trockenheit; gar manche unter ihnen haben schon oftmals die segensreichen Werke der Götter zu vereiteln gesucht. Gegen viele haben die Götter den Menschen zuliebe den Kampf aufgenommen viele haben sie schon besiegt und getötet. Keiner aber ist so gewaltig keiner so gefürchtet wie Writra.  
  
Writra verfügt im Gegensatz zu den meisten Göttern über magische Kraft und vermöge dieser Kraft kann er mancherlei Gestalt annehmen; einmal erscheint er als Schlange ein andermal als Eber. Auch seinen Aufenthaltsort wechselt er: Jetzt ist er auf dem Gipfel eines Berges dann liegt er auf der Oberfläche des Meeres. Starke Festungen – neunundneunzig an der Zahl – stehen ihm zu Diensten; hier verteidigt er sich gegen die Angriffe der Götter. Seine Waffen sind Blitz Donner Hagel und Nebel. Besonders vom Nebel macht er Gebrauch und daher nennt man ihn auch den Nebling. Sich selbst hüllt er in Nebel ein und über seinen Gegner wirft er einen Nebelschleier damit er die Spur verliert und sich verirrt.  
  
Trotzdem Writra gegen Waruna sündigt indem er die ewigen Gesetze der Natur verletzt zieht doch nicht dieser gegen ihn zu Felde um die Regenfluten aus den Fesseln zu befreien sondern Indra.  
Indra ist der oberste Gott des Himmels der Starke der allmächtige Herrscher der selbstherrliche Fürst König der ganzen Welt König über Götter und Menschen König über alles was da lebt und atmet sich bewegt und ruht. Er war von Urbeginn an immer Jung und niemals alternd.  
  
Ein Held ist er ein Held von Fleisch und Blut und doch unsterblich.  
  
Wie ein Sterblicher wurde er geboren aber er kam auf übernatürliche Weise zur Welt geboren aus der Seite seiner Mutter.  
  
Der Himmel ist sein Vater; seine Mutter ist die Erde. Große kosmische Ereignisse begleiteten seine Geburt große Taten verrichtete er schon im Augenblick seines Entstehens. Berge Erde und Himmel erbebten; den ganzen Himmelsraum erhellte er das Rad der Sonne setzte er in Bewegung. Selbst den Göttern wurde Angst als er erschien.  
  
Von Anfang an war er mächtig und unüberwindlich von gigantischem Wuchs und kräftigem Körperbau mit sehnigem Nacken und breitem Rücken. In seinem riesigen Leib verbirgt sich die Kraft wie Wasser in geheimen Quellen. Lang und wohlgebildet sind seine Arme nervig und stark seine Hände mit denen er seine unwiderstehliche Waffe den Donnerkeil führt. Ein üppiger Haarschopf bedeckt sein Haupt ein mächtiger Bart schmückt sein Kinn. Haar und Haut sind gelb und seine Erscheinung ist strahlend wie die Sonne. Nicht immer aber zeigt er sich so; sein magisches Können erlaubt ihm jede beliebige Gestalt anzunehmen.  
  
Auch Indras Wesen trägt die Züge einer gigantischen Art wobei ihm freilich Menschliches keineswegs fremd ist. Er ist ein gewaltiger Esser; heute verzehrt er das Fleisch von einem morgen von zwanzig ja sogar von hundert Büffeln. Beim Opferfest freut er sich über das Gebäck das ihm seine Verehrer gebacken haben vor allem aber ist er ein Trinker ohnegleichen. Wie alle Götter so ist auch er dem Trunk dem göttlichen Soma-Wein verfallen. Mit Soma nährte ihn seine Mutter Soma war ihm lieber als Milch.  
Leidenschaftliches Verlangen danach erfüllt ihn; grenzenlos ist seine Fähigkeit ihn in sich aufzunehmen. Stets ist er durstig; einst leerte er nach einem üppigen Mahl auf einen Zug drei Seen ein anderes Mal trank er dreißig Seen aus. Mehr als einmal führte solches Unmaß dazu daß sein Haupt umnebelt ward und er bei einem Opferfest wankenden Schrittes umhertaumelte gleichwie ein Schiff das steuerlos auf dem Meere treibt. Dann sang er wohl ein Trinklied oder pflegte Zwiesprache mit sich selbst brüstete sich mit seinen Heldentaten und prahlte mit neuen kühnen Unternehmungen.  
  
  
  
Indra ist der große Gott des Krieges und der Fruchtbarkeit.  
  
Vielseitig ist seine reiche Natur und er offenbart sich auf vielerlei Art. Er war es der die blonden Arier in ihrem Kampf gegen die dunklen Ureinwohner des Landes zum Siege führte. Er allein erschlug fünfzigtausend der dunklen Krieger und zerstörte ihre Festungen. Alle Pfade des Oberflusses führen zu Indra der mit milder Hand unermeßlich reiche Gaben an seine Kinder verschenkt er der große Wohltäter.  
Wie ein Mann reife Früchte vom Baum abschüttelt so schüttet Indra Wohltaten über die Menschen hernieder. Er schenkt alten Frauen die Jugendfrische er rettet das schwache Kind vor sicherem Tode.  
  
Aber grimmig und hart ist Indra gegen die Bösen gegen die Dämonen die Menschen und Vieh Krankheit und Tod zu bringen trachten.  
Gestärkt durch einen tiefen Zug seines geliebten Trankes und von den Marut den Sturmgöttern begleitet zieht Indra zum Angriff gegen den Dämon der Trockenheit aus. In der Hand trägt er seine gefürchtete Waffe den Donnerkeil den wetzt er wie ein Messer oder wie der Stier seine Hörner. Wie ein Jäger dem Wild nachspürt so spürt er seinen Gegner auf. Sorglos daliegend manchmal sogar schlafend trifft er ihn der wähnt er sei unverwundbar und unsterblich. Indra stört ihn durch einen Stop seiner spitzen Waffe auf und stürmt kräftig auf ihn ein.  
Der Anprall ist so schreckenerregend so entsetzlich daß Himmel und Erde und alle Geschöpfe erzittern wenn Indra seinen Keil schwingt. Voller Furcht verlassen alle Götter den höchsten Gott und ducken sich vor dem lauten Zischen; sobald sie aber gewahr werden daß Indra den Kampf wagt und Sieger bleibt kehren sie zurück und beobachten mit Wohlgefallen die Kämpfenden.  
  
Der Somatrunk verlieh Indra besonderen Mut und gab ihm unüberwindliche Kraft. Hochauf schwingt er sich in die Luft und zielt mit seiner Waffe auf Writra; dieser aber benutzt seine magischen Fähigkeiten hüllt sich in Nebel und stürzt in voller Größe auf den Angreifer. Indra jedoch durchschaut alle Gestalten die das Ungeheuer annimmt späht nach seinen verwundbaren Stellen und fällt ihn immer wieder an. Mit seiner tausendspitzigen Waffe trifft er ihn wie der Blitz einen Baum spaltet reißt seinen Leib auf schmettert ihn in Stücke schlägt ihm den Kopf ab und wirft ihn unter die Hufe seiner Rosse.  
  
  
  
Danach begibt sich Indra dorthin wo die Wasserfluten verborgen und eingesperrt sind.  
  
Wie ein Zimmermann das Holz so spaltet er die Wolken und befreit die Regenströme die sich nunmehr ungehindert auf die Erde ergießen. Hierauf verläßt er mit solcher Eile das Schlachtfeld daß es aussieht als sitze ihm ein Rächer Writras auf den Fersen. Doch ist keine Gefahr mehr zu befürchten. Zerschmettert liegt Writra und keiner der Dämonen wagt es noch einmal den Kampf aufzunehmen in dem der Mächtigste und Tapferste von ihnen eine Niederlage erlitten hat. Nicht die Menschen allein auch die Götter freuen sich über Indras Sieg alle sind ihm dankbar für seine Heldentat. Von den Menschen empfängt er Gaben die Götter stimmen Preislieder zu seiner Ehre an.  
  
Nicht einmal immer erneut zwingt Indra den gefürchteten Dämon der Trockenheit zu Nutz und Frommen der Menschheit nieder. Ungezählte Male hat er schon in vergangenen Zeiten die Regengüsse zu Beginn der Regenzeit aus den Fängen des Ungetüms befreit; unzählige Male wird er in Zukunft diese Heldentat wiederholen. Wie in alten Zeiten wird er dann nach seinem Sieg über Writra der Erde und der Menschheit das Licht die Sonne und das leuchtende Morgenrot zurückgeben.  
  
So ist Indras Kampf gegen Writra nicht allein ein Kampf gegen die Dämonen der Trockenheit nicht allein ein Kampf gegen die Feinde der Menschheit er ist zugleich ein Kampf gegen die Mächte der Finsternis.  
  
Indra beherrschet was fliehet und stillsteht  
Gezähmtes Gehörntes der Donnerkeilträger!  
Er herrscht er der König der Menschen und Götter  
wie Speichen die Felge hält er sie umschlossen!