# 4. Kapitel Sklaverei

<div id="bkmrk-da-kein-mensch-eine-" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Da kein Mensch eine natürliche Gewalt über seinesgleichen hat, und da </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">die Stärke kein Recht gewährt, so bleiben also die Verträge als die einzige </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Grundlage jeder rechtmäßigen Gewalt unter den Menschen übrig? </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Wenn ein einzelner, sagt Grotius, seine Freiheit veräußert und sich zum </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Sklaven eines Herrn machen kann, weshalb sollte dann nicht auch ein </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">ganzes Volk die seinige veräußern und sich einem Könige unterwerfen </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">können? In diesem Satze kommen einige zweideutige Worte vor, die erst </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">einer genauen Erklärung bedürfen. Halten wir uns aber zunächst an den </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Ausdruck »veräußern«. Veräußern heißt verschenken oder verkaufen. Ein </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Mensch, der sich zum Sklaven eines andern macht, verschenkt sich nun </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">aber nicht, sondern verkauft sich wenigstens für seinen Unterhalt; wofür </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">verkauft sich aber ein Volk? Weit davon entfernt, daß ein König jemals </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">seinen Untertanen ihren Lebensunterhalt gewähren würde, bezieht er den </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">seinigen vielmehr nur von ihnen, und nach Rabelais' Versicherung lebt ein </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">König nicht von wenigem. Verschenken denn die Untertanen ihre Person </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">nur unter der Bedingung, daß man ihnen auch noch ihr Vermögen nimmt? </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Ich begreife nicht, was ihnen dann noch zu bewahren übrigbleibt. </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Man wird sagen, daß der Gewaltherrscher seinen Untertanen die </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">bürgerliche Ruhe sichere; es mag sein, aber was gewinnen sie dabei, wenn </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">die Kriege, in die sein Ehrgeiz sie verwickelt, wenn seine unersättliche </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Habgier, wenn die Bedrückungen seiner Minister sie mehr belasten, als ihre </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Zwistigkeiten es vermöchten? Was gewinnen sie dabei, wenn diese Ruhe </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">selbst ein Glied in der langen Kette ihres Elends ist? Im Kerker lebt man </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">auch ruhig; genügt das, um sich darin wohlzufühlen? Die in der Höhle des </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Zyklopen eingesperrten Griechen lebten, bis die Reihe verschlungen zu </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">werden an sie kam, ebenfalls in tiefster Ruhe. </span></div><div id="bkmrk-" style="text-align: justify;"></div><div id="bkmrk-die-behauptung%2C-ein-" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Die Behauptung, ein Mensch verschenke sich unentgeltlich, ist eine </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">unbegreifliche Albernheit; eine solche Handlung ist schon um deswillen </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">ungesetzlich und nichtig, weil derjenige, der sich zu ihr hergibt, nicht bei </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">gesunder Vernunft ist. Wer dies einem ganzen Volke nachsagt, muß es für </span><span style="color: rgb(255, 255, 255);"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">ein Volk von Verrückten halten: Verrücktheit verleiht kein Recht.</span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">Sogar wenn ein jeder sich selbst veräußern könnte, kann er doch nicht </span></span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">seine Kinder veräußern; sie werden als Menschen und als Freie geboren; </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">ihre Freiheit gehört ihnen, und sie allein besitzen das Recht, über dieselbe </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">zu verfügen. Vor ihrem Eintritt in das Alter der Vernunft kann der Vater in </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">ihrem Namen zum Zwecke ihrer Erhaltung und ihres Wohlbefindens </span></div><div id="bkmrk-bestimmungen-treffen" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Bestimmungen treffen, sie aber nicht unwiderruflich und bedingungslos </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">verschenken, denn eine solche Verschenkung läuft den Zwecken der Natur </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">zuwider und überschreitet die väterlichen Rechte. Damit eine willkürliche </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Regierung rechtmäßig wäre, müßte deshalb das Volk nach jedem </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Menschenalter immer wieder das Recht besitzen, sie anzunehmen oder </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">verwerfen zu können; aber dann würde diese Regierung nicht mehr </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">willkürlich sein. </span></div><div id="bkmrk--1" style="text-align: justify;"></div><div id="bkmrk-auf-seine-freiheit-v" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Auf seine Freiheit verzichten, heißt auf seine Menschheit, die </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Menschenrechte, ja selbst auf seine Pflichten verzichten. Wer auf alles </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">verzichtet, für den ist keine Entschädigung möglich. Eine solche Entsagung </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">ist mit der Natur des Menschen unvereinbar, und man entzieht, wenn man </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">seinem Willen alle Freiheit nimmt, seinen Handlungen allen sittlichen Wert. </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Kurz, es ist ein nichtiger und mit sich selbst in Widerspruch stehender </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Vertrag, auf der einen Seite eine unumschränkte Macht und auf der andern </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">einen schrankenlosen Gehorsam festzusetzen. Ist es nicht klar, daß man </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">gegen den, von welchem man das Recht hat, alles zu verlangen, zu nichts </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">verpflichtet ist? Zieht diese einzige Bedingung ohne Entschädigung, ohne </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Gegenleistung nicht die Nichtigkeit des Übereinkommens nach sich? Denn </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">welches Recht könnte mein Sklave gegen mich geltend machen, da alles, </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">was er besitzt, mir gehört, und dadurch, daß sein Recht das meinige ist, </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">dieses mein Recht wider mich selbst ein Wort ist, das keinen Sinn hat. </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Grotius und andere folgerten aus dem Kriege eine andere Quelle des </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">angeblichen Rechtes der Sklaverei. Da nach ihnen der Sieger das Recht </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">besitze, den Besiegten zu töten, dürfte letzterer sein Leben auf Kosten </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">seiner Freiheit erkaufen, ein Vertrag, der um so rechtmäßiger sei, da er </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">beiden Vorteil bringe. </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Aber es liegt auf der Hand, daß dieses vermeintliche Recht, die Besiegten </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">zu töten, in keinerlei Weise aus dem Kriegsstande hervorgeht. Schon aus </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">dem einzigen Grunde, daß die Menschen, solange sie in ihrer </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">ursprünglichen Unabhängigkeit leben, unter sich in keiner Beziehung </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">stehen, die von derartiger Dauer ist, weder den Friedens- noch den </span><span style="color: rgb(255, 255, 255);"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">Kriegszustand herbeizuführen, sind sie von Natur nicht Feinde. Das</span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">Verhältnis der Dinge und nicht das der Menschen zueinander ruft den Krieg </span></span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">hervor; und da der Kriegsstand nicht aus einfachen persönlichen </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Beziehungen, sondern lediglich aus sachlichen Beziehungen entstehen </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">kann, so ist weder im Naturzustand, in dem es kein beständiges Eigentum </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">gibt, noch im Gesellschaftszustand, in dem alles unter der Gewalt der </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Gesetze steht, der Privatkrieg oder der Kampf von Mann gegen Mann </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">möglich. </span></div><div id="bkmrk--2" style="text-align: justify;"></div><div id="bkmrk-privatk%C3%A4mpfe%2C-duelle" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Privatkämpfe, Duelle, zufällig herbeigeführte Zweikämpfe sind </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Handlungen, die keinen besonderen Zustand begründen, und was die durch </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">die Einrichtungen König Ludwigs IX. von Frankreich gestatteten und durch </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">den Gottesfrieden aufgehobenen Privatfehden anlangt, so sind es </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Mißbräuche der Feudalregierung, des sinnlosesten Systems, das es je </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">gegeben hat und das den Grundsätzen des Naturrechts und einer jeden </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">gesunden Politik völlig widerspricht. </span></div><div id="bkmrk--3" style="text-align: justify;"></div><div id="bkmrk-der-krieg-ist-demnac" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Der Krieg ist demnach kein Verhältnis eines Menschen zum andern, </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">sondern das Verhältnis eines Staates zum andern, bei dem die einzelnen nur </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">zufällig Feinde sind, und zwar nicht als Menschen, ja nicht einmal als </span><span style="color: rgb(255, 255, 255);"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">Bürger,</span></span></div><div id="bkmrk--4" style="text-align: justify;"></div><div id="bkmrk-%5Bfu%C3%9Fnote%3A-die-r%C3%B6mer%2C" style="text-align: justify;"><span style="color: rgb(255, 255, 255);"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">\[Fußnote: Die Römer, die das Kriegsrecht verstanden und mehr als </span></span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">irgendein Volk auf Erden geachtet haben, trieben in dieser Beziehung die </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Gewissenhaftigkeit so weit, daß es einem Bürger nicht gestattet war, als </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Freiwilliger zu dienen, wenn er sich nicht ausdrücklich verpflichtet hatte, </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">gegen den Feind und namentlich einen bestimmt angegebenen Feind zu </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">streiten. Als eine Legion, in der Cato, der Sohn, unter Popilius seinen ersten </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Waffendienst getan, entlassen worden war, schrieb Cato, der Vater, dem </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Popilius, wenn er wünschte, daß sein Sohn unter ihm weiter diente, so </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">müßte er ihn von neuem vereidigen, da der erste Eid ungültig geworden und </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">sein Sohn aus diesem Grunde nicht mehr die Waffen gegen den Feind </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">führen dürfte. Und seinen Sohn forderte Cato auf, sich ernstlich zu hüten </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">und sich vor Ablegung des neuen Eides nicht an dem Kampfe zu beteiligen. </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Ich kann mir denken, daß man mir die Belagerung von Clusium und andere </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">besondere Fälle entgegenhalten wird; aber ich berufe mich nur auf Gesetz </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">und Brauch. Unter allen Völkern haben die Römer ihre Gesetze am </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">seltensten übertreten, und sie sind das einzige Volk, das so schöne Gesetze </span><span style="color: rgb(255, 255, 255);"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">hatte.\] </span></span></div><div id="bkmrk--5" style="text-align: justify;"></div><div id="bkmrk-sondern-als-soldaten" style="text-align: justify;"><span style="color: rgb(255, 255, 255);"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">sondern als Soldaten, nicht als Glieder des Vaterlandes, sondern als </span></span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">seine Verteidiger. Kurz, jeder Staat kann nur andere Staaten zu Feinden </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">haben und nicht Menschen, da man zwischen Dingen von verschiedener </span><span style="color: rgb(255, 255, 255);"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">Natur kein wirkliches Verhältnis zueinander nachweisen kann.</span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">Dieses Prinzip ist denn auch mit den eingeführten Grundsätzen aller </span></span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Zeiten und mit der unwandelbaren Handlungsweise aller gesitteten Völker </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">in vollem Einklang. Die Kriegserklärungen sind Kampfansagen, die </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">weniger an die Mächte, als an die Untertanen gerichtet sind. Der Fremde, </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">der, ob er nun König, Privatmann oder ein ganzes Volk sei, ohne vorher </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">ergangene Kriegserklärung an den Fürsten dessen Untertanen beraubt, tötet </span></div><div id="bkmrk-oder-gefangenh%C3%A4lt%2C-i" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">oder gefangenhält, ist nicht ein Feind, sondern ein Räuber. Sogar mitten im </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Kriege bemächtigt sich ein gerechter Fürst im Feindeslande wohl alles </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Staatseigentums, aber er verschont die Person und das Vermögen der </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">einzelnen, er achtet Rechte, auf die die seinigen gegründet sind. Da der </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Zweck des Krieges die Vernichtung des feindlichen Staates ist, so hat man </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">das Recht, die Verteidiger desselben zu töten, solange sie die Waffen in der </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Hand haben; sobald sie sie jedoch niederlegen und sich ergeben, so werden </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">sie, weil sie aufhören Feinde oder Werkzeuge des Feindes zu sein, wieder </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">nur Menschen, und man hat kein Recht mehr auf ihr Leben. Mitunter kann </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">man den Staat vernichten, ohne ein einziges seiner Glieder zu töten, denn </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">der Krieg verleiht nur das zur Herbeiführung seines Zweckes notwendige </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Recht. Diese Grundsätze teilt Grotius nicht; sie sind nicht auf die </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Überredungskraft der Dichter gegründet, sondern entspringen aus der Natur </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">der Dinge und sind auf die Vernunft gegründet. </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Was nun das Eroberungsrecht anlangt, so hat es keine andere </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Begründung als das Gesetz des Stärkeren. Wenn der Krieg dem Sieger nicht </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">das Recht einräumt, die besiegten Völker niederzumetzeln, so kann ihm </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">dieses Recht, das er nicht besitzt, auch nicht das Recht gewähren, sie zu </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">unterjochen. Nur dann hat man das Recht, den Feind zu töten, wenn man </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">ihn nicht zum Sklaven machen kann; das Recht, ihn zum Sklaven zu </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">machen, geht also nicht aus dem Rechte, ihn zu töten, hervor; das ist doch </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">ein unbilliger Tausch, ihn sein Leben, auf das man kein Recht hat, mit </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">seiner Freiheit erkaufen zu lassen. Verfällt man dadurch, daß man das Recht </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">über Leben und Tod auf das Recht der Sklaverei und das Recht der </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Sklaverei auf das Recht über Leben und Tod gründet, nicht augenscheinlich </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">in einen Kreisschluß? </span></div><div id="bkmrk--6" style="text-align: justify;"></div><div id="bkmrk-selbst-wenn-man-dies" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Selbst wenn man dieses schreckliche Recht, alles zu töten, als richtig </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">gelten ließe, behaupte ich trotzdem, daß ein im Kriege zum Sklaven </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">gemachter Mensch oder ein unterjochtes Volk gegen seinen Herrn keine </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">andere Verpflichtung hat, als ihm so lange zu gehorchen, wie er dazu </span><span style="color: rgb(255, 255, 255);"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">gezwungen ist. Da der Sieger für sein Leben einen entsprechenden Ersatz</span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif;">annahm, hat er es ihm nicht geschenkt; anstatt ihn ohne einen Gewinn für </span></span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">sich zu töten, hat er ihn in einer Weise unschädlich gemacht, die ihm </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Nutzen brachte. Also weit davon entfernt, über ihn ein mit der Gewalt </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">verbundenes Recht gewonnen zu haben, besteht der Kriegszustand </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">zwischen ihnen nach wie vor fort, selbst ihr Verhältnis ist eine Wirkung </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">desselben, und die Ausübung des Kriegsrechts setzt keinen Friedensvertrag </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">voraus. Sie haben ein Übereinkommen getroffen, das mag sein; aber statt </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">dem Kriegsstande ein Ende zu machen, setzt dieses Übereinkommen gerade </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">die Fortdauer desselben voraus. </span></div><div id="bkmrk--7" style="text-align: justify;"></div><div id="bkmrk-von-welchem-gesichts" style="text-align: justify;"><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Von welchem Gesichtspunkte man deshalb auch die Dinge betrachten </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">möge, so ist das Recht der Sklaverei immer nichtig, nicht allein weil es </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">ungesetzmäßig, sondern auch weil es sinnlos und bedeutungslos ist. Die </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">Worte »Sklave« und »Recht« stehen im Widerspruche; sie heben sich </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">gegenseitig auf. Ob sich dieser Redensweise ein Mensch zu einem anderen </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">oder zu einem ganzen Volke bedient, so wird es stets gleich unsinnig sein zu </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">sagen: »Ich schließe mit dir eine Übereinkunft, die dir allen Nachteil und </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">mir allen Vorteil bringt, eine Übereinkunft, die ich halten werde, solange es </span><span style="font-size: 15pt; font-family: LiberationSerif; color: rgb(255, 255, 255);">mir gefällt, und die du halten mußt, solange es mir gefällt.«</span></div>